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Longinus vom Erhabenen und über Aristoteles Poetit las : diesen Erläuterungen verdankte D. Robertson, wie er in der Folge oft aufierte, mehr alb seinem academischen Leben zusammengenommen. Zur Mathee marit und Phyfit hatte er feine Neigung, obschon der berühmte Mactaurin damals berde Wifenichaften mit grossem Ben falle portrug; aber er mufte unfehla bar sowohl von der Bercotramteit, womit dieser grofie Mann die allerabgezogentien Gegenstände austuschmůfen wußte, als von der Correctheit und Sprachreinigs feit, die ihm immer noch einen hoben Rang unter den besten englischen Schriftstellern geben, und die fein damaliger Autor in Schottland erreichen konnte, Nus zen einerndten.

Noch viele andere gelebrte und gefcházte Manner von denen man iezt nur noch den Nahmen weikt, lebs ten damals in Edinburg. Der Ranfenische Club uns terhielt etliche Jahre lang eine Privatcorrespondenz mit dem berühmten Philosophen Berkelen in Frland über defien metaphysische Schriften, und er sou die Glieder dicies Clubs unter die wenigen gegåbit haben, welche völlig in den Geist seiner Gründe wider die Eris stenz der Materie eingiengen. Daß diese Gesellschaft dazu beygetragen hat, die Liebe für philosophische Untersuchungen, die feitdem ro sehr in Schottland Mode geworden find, zu verbreiten, ist eine Chatsas che, die von allen denen bestätiget wird, welche die beste Gelegenheit gehabt haben, den ursprung und Fortgang der schottischen Literatur zu beobachten.

Man fieht hieraus eines Theils wie Robertsons natürliche Neigung zum Studiren bestårft wurde, ans dern Theils wie Schottland aus der vorübergehenden Dunkelheit, in welche c$ pcrsunfen war, fic ju der

te, eine Uebersegung von Marcus Antoninus beraus. Stelle emporarbeitete, die es seitdem in der geleht, ten Welt bchauptet bat. Biele Schotten zeidynelen fich cben lo rehr durch Genie als durch Gelehrsamkeit aus; aber die Schwierigkeit, das Eigenthümliche und Provinzicle der schottischen Mundart zu überwinden, schien den Gelehrten alle Wege zum Ruhme durch Echriften zu verschliessen, ausgenommen in folgen Fächern, die den Schmut der Schreibart nicht zu erfodern schienen.

Robertson liee fich durd diese Hindernisse nicht abschrefen, und er scheint von sehr früher Jugend an mit großer Beharríichkeit die wirframsten Mittel an gewandt ju baben, sie zu übersteigen. Unter and en überregte er fleißig; und er hatte diese fchr schwere kunst so wocit angebaut, daß er mit Ernst daran dacha

zu geben, als ihm eben ein Ungenannter in Glasgow darin zuvorfan. Daß er gerade diesen Schriftfeller auswähite; mechte guten Theils von der Vorliebe her: kommen, die er allezeit für die Ueberreste der Støischen Philosophie bewies.

In seinen lezten Universitätsjahren übte et fich auch mit andern geschikten Freunden in der Beredt, samkeit und im unvorbereiteten Debattiren.

Im J. 1743. wurde er Prediger in Gladsmuir. Diese Stelle brachte ihm nur hundert Pfund ein, aber es war sehr glúklich, daß er sie befam, denn seine Eltern farben beynahe ju gleicher Zeit, und hinter: liejsen ihm sieben húliore Geschwister. Der cdle Mann handelte hier mit der Entschlossenheit, die ihn immer auszeichnete. Ohne über eine Familienlast fleinmůthig zu werden, welche reine bisherigen litterarischen Absichten niederzudrüfen schien, dachte er blos an seis

ne heilige Pflicht, nahm alle Geschwister zu fich nach Gladsmuir, und erjog die sechs Schweitern in seinem Hause, bis sie anståndig versorgt wurden. Nur dann erst glaubte er eine Verbindung schliessen zu dürfen, die er schon längst gewünscht hatte, und die er mit Recht uns ter die glúflichsten Ereignisse reines Lebens zählte. Bis ins Jahr 1751. war er unverbeurathet geblieben; dann chelidhte er seine Mubme Mie Marie Nisbet, die Tochter eines Edinburger Predigers.

Fm 3. 1745. als die Rebellion ausgebrochen war, hatte er Gelegenheit den Eifer für die bürgerlichen und religiósen Freyheiten seines Vaterlandes zu beweisen, welchen er mit seiner ersten Erziehung angenommen hatte. Einmal war die schottische Hauptstadt in der Gefahr, den Rebellen in die Hände zu fallen, und der Zuftand der Öffentlichen Angelegenheiten schien ro miflich, daß er sich für berechtiget hielt, eine Zeitlang das friedliche Gewand seines Amts ben Seite zu legen, und seine Pfarrwohnung in Gladsmuir zu verlassen, um unter die Edinburger Freywilligen zu geben: ja als es zuleft beschlossen war, daß man die Stadt auss liefern wollte, war er einer von den wenigen, die sich nach Haddington begaben, und dem föniglichen Feldberrn ihre Dienste anboten.

Als Prediger erwarb er sich durch die Pünktlichs feit, womit er fein Amt verwaltete, die Achtung und Liebe seiner Gemeine, während die Beredtfamfeit und der Geschmat, welche in seinen Cangelvorträgen herrsch ten, ihn vor der benachbarten Geistlich feit bemertt machten, und den Weg zu dem Einfufie in der schots tischen Kirche bahnten, den er nachmals erhielt. Er hat zwar nur eine Predigt drufen lassen, aber fie ist fünfmal aufgclegt worden, und beweißt hinlänglich, Engl. Mifcellen. VI. 2.

wie weit er es in diesem Fache håtte bringen fögnen. In Deutschland ist sie aus einer Uebersejung des würdigen Herrn Prof. Ebeling bekannt.

Die Stiftung der Select Society lim F. 1754. öfnete ihm ein neues Feld, feine Talente zu zeigen und auszubilden. Diese Gesellschaft, deren Zwel theils philosophische Untersuchungen, theils Uebung in öffents lichen Reden war, wurde vom Mahler Alan Ramsay und etlichen seiner Freunde gestiftet, erregte aber bald eine To allgemeine Aufmerksamkeit, daß fie schon im jweyten Jahre über hundert Mitglieder gåhlte, wor, unter die fåhigsten und geschiktesten Månner, sowohl in Edinburg als der umliegenden Gegend waren. Zu denen, die nebst Ramsay diese Societat Atifteten, ges börten unter andern Robertson, Hume, Adam Smith, Wedderburn (gewesener Lord Cangler), Lord Rames, John Hame, D. Carlyle, Andreas Stuart, Sir Gil bert Elliot und Lord Alemoor. Dieser Verein blůbete fechs bis sieben Jahre, und veranlassete Debatten, wie fie wohl in Versammlungen neuerer Zeiten nicht oft geführt worden seyn mögen. Hier thaten weder Rånte der Staatstlugbeit noch ausgelassene Partbeysucht der Würde der Redner Eintrag, sondern die allerglänzende sten Geistesgaben, deren fich Schottland ji mals zu růhmen gehabt hat, wurden durch den liberaten und berzerweiternden Ideentausch über Literatur und Philofophie zur åuffersten Anfrengung angeregt. So lange diese Stiftung währete, crhielt sie den cifrighten Vorschub von Robertson; er ließ selten eine Gelegens beit vorüber, an den vorhabenden Erörterungen Theil zu nehmen; und daß er jedesmal reinen Ruhm dadurch vermehrte, wird denen, die seine nachherigen Sorife ten gelesen haben, von selbst einleuchten.

In den geiftlichen Gerichten, deren Ansehen in Schottland so groß ist, zog Robertson immer alle Augen auf fich); insbesondre ereignete sich ein Umstand, der die Kraft seiner Beredtsamkeit, und den Einflug seines sanften persönlichen Characters in das schönste Licht feste. John Home, ein Prediger in Athelstonford gab im F. 1757. das berühmte Trauerspiel Douglas bers aus, welches seitdem unter die dramatischen Meister stufe der. Engländer gerechnet worden ist, und alle Fabre unausgeseft auf die Bühne gebracht wird. Dar, über gericth die puritanische Strenge der schottischen Geistlichen in Flammen, welche selbst der grosse Beyr fau des Stuft nicht zu ftillen vermochte.

Ja das Bergchen wurde dadurch, wie es schien, noch rågbarer gemacht, daß etlice von Home's Amtsgenofen, theils aus Neugierde, theils aus dem freundschaftlic den Bewegungsgrunde, die angebliche Verschuldung mit auf ihre Achseln zu nehmen, der ersten Vorstellung des 6tuts auf dem Edinburger Theater beywobnten. Während dieser ganzen Sache verwandte fich Roberts son auf das allerlebhafteste für seine Freunde; und man hatte seiner Ueberredungsgabe hauptsächlich das milde Endurtheil zuzuschreiben, wodurch diese Sache beygelegt wurde. Seine Gründe bey diesem Vorgans ge hatten wahrscheinlich ein desto grösseres Gewicht, da er selbst niemals ein Schauspielhaus betreten. Dies ist einer der vielen ausgezeichneten Beweise, welche die Geschichte seines Lebens darbietet, son der strens gen Bedåchtlichkeit in seiner Aufführung, die nicht blos reinen Nugen als Geistlicher ausdehnte, sondern auch zu seinem Einfusie als Unführer einer Parthen wes rentlich war.

Der wachsende Ruf verschafte ibm Berehrer und

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