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ein Parlamentsglied, der die Lady Mary Ann, Tóch ter des Grafen von Shaftsbury, geheurathet hatte, entdcfte ein unerlaubtes Verhältniß seiner Gemahlin mit dem Marquis von Blandfort, Sohne des Herzogo von Marlborough, welcher selbst an eine sehr tugendhaf te Darie, die Tochter des Grafen von Galloway, ver. heuratbet war, mit welcher er sechs Kinder hätte. Die Sache wurde flar bewiesen, vornehmlich durch Briefe des Marquis an die Lady Mary Ann Sturt. Der Sachwalter für den Beklagten begehrte ihn nicht zu entschuldigen, führte aber dagegen an, dag Herr Sturt mit sehr geringem Rechte über die Untreue feia ner Gemahlin klagen könnte, da er selbst in offenbas rem Ehebruche mit einer Harfenspielerin, der befanns ten Madame Krumpholz lebte, und mit ihr einen Sohn gezeugt håtte. Der Advocat that durch die Aussage einer Magd dar, daß ør. Sturt und die Harfenspies lerin zusammen geschlafen båtten. Lord Kenyon, der Richter, bedauerte zwar, daß dergleichen anstößige Prozesse ro oft, besonders in ro boben Ständen von tamen, entschied aber in diesem Falle folgendermaso fen: So ausschweifend ein Mann auch vor der Brue rath feyn möchte, so sollten ihm seine Laster doch nicht zugerechnet werden. Eine Frau, die es unternahme, einen Wüstling zu beffern, håtte fein Recht, sich auf seine vorige Aufführung zu berufen, um dadurch un, regelmäßigkeiten auf ihrer Seite zu beschönigen: wenn aber der Mann, nach der Heurath, selbst im offenbaren Ehebruche lebte, so hatte er fein Recht, wegen der Verführung seiner Frau, und der Verlegung seines Ehebetis, bey den Gefejen um Hülfe anzusuchen. Wer um Genugthuung für Unrecht anhielte, follte sich selbst rein wissen. Die Geschworne begaben sich nur eine

eine furze Zeit hinweg, und erfannten auf nicht mehr als hundert Pfund Entschädigung für Herrn Sturt.

Nichts ist stadtfundiger in London, als daß man gegen ein Geringes Bösewichter erkaufen kann, wels che alles, was man will, beeidigen. Hierdurch foms men oft Leute, welche nicht wifen, daß man diese Buben mit ihren eigenen Fallstrifen fångt, in die gröste Bedrängnis, wie folgendes Beyspiel beweist, das nicht öffentlich bekannt, uns aber von guter Hand vers traut worden ist. Ein bejahrter Ausländer, der sich ein fleines Vermogen erworben hatte, und nicht weit von Middlefce Hospital in grosier Eingezogenheit lebte, wurde eines Morgens herausgerufen. „Sie würden mir einen Gefauen thun, fagte ein Mann zu ihm, wenn Sie mir die Rechnung bezahlen wollten." „Ich entsinne mich nicht, Ihnen etwas schuldig zu fenn," antwortete der Ausländer. Der Mann nabm cine bee fremdete Miene an, und versicherte mit einer Betbeus rung, ihm sehr kostbare Meubeln auf seine Bestellung an einem bestimmten Tage ins Haus gebracht zu bas ben ; und er wolle Zeugen stellen, die es beeidigen fönnten. Der Ausländer hatte gut leugnen; der Bós fewicht bestand auf seiner Schuldforderung, und gieng mit der Drohung fort, sich auf dem Wege Rechtens bezahlt zu machen. Wenige Stunden nachber erhielt der Ausländer eine Vorladung, sich im Gerichte zu ftels len. Seine Freunde versicherten ihn, daß er in gros fer Gefahr schwebe, und sich daher bey einem Rechtsgelehrten berathen folle. Der Attorner, dem er die Sache ergåhlte, rah gleich ein, mit was für Leuter es der Beklagte zu thun hätte, und fragte ihn, ob er reiner Seits durch Zeugen beweisen fönnte, das er

die erwähnten Sachen nicht erhalten hatte, oder das er an dem Tage, wo fie sollten abgegeben worden seyn, gar nicht in London gewesen wäre? Nein, antwortete der Ausländer, ich fan weder das eine noch das andre er's hårten. „Nun so müssen Sie die Rechnung bezah. „len, sagte der Rechtsagent, so sehr Ihnen auch Un. wrecht geschehen mag, weil Sie weiter nichts als Ihre „eigne Versicherung dagegen zu regen haben, der Klas »ger aber Zeugen bringt - indessen, fuhr er nach eie sner Pause fort, ob mir es gleich unmöglich ist, „Ihnen aus der Sache zu helfeit, so will ich Ihnen doch „einen andern Rechtsagenten angeben, der sich mit sifolchen Sachen befaßt, aber unter der Bedingung, „daß Sie nicht sagen, wer Sie zu ihm geschitt bat." Der bejeichnete Attorney wår einer von denen Schur, ken, die sich von deri Schicanen und Wintelzúgen nåns ren i wozi die englischen Geseze schlechten Menschen aúe Thüren öfnen. Er hatte taum den Handel ge. hört, als er dazu lachte, und sagte: „Lassen Sie mich nur machen; Sie bejablen mir etliche Pfund für meis ne Mühwaltung, und ich helfe Ihnen aus der Vers legenheit; doch müssen Sie mir versprechen, wenn wir por den Richter kommenkein Wort zu sagen, sons dern mich meinen Weg gehen zu lassen. Dies wurde eingegangen, und die Partheyen erfoienen im Ges richte. Der Klåger erzählte den Verlauf der Sache mit den wahrscheinlichsten Unastånden, und hatte einen sehr wohlgefleideten Mann bey fich, welcher beeidigte, daß er bey Ablieferung der Waaren zugegen gewesen sey. Es kam nun an die Gegenpartie. „Wir fónnen nicht „läugnen, hub der Rabulift an, diese Waaren ers „halten zu baben.“ Hier vergaß fich der Ausländer, fubt erstaunt auf, und wollte den Fuchs, der seine

ache führte, unterbrechen, aber dieser erinnette ihn an die gemachte Bedingung — „Wir haben allerdings „die Sachen erhalten, fuhr er fort, aber meiu Client hat ein schwaches Gedächtniß; dent fonst würde er ufich auch erinnert håbeti, daß er die Rechnung schon

bezahlt hat, gleich als die Güter ins Haus gez „bracht wurden; hier ist die Quittung, Klåger mug seine cigene Handschrift darinn erfennén, und ich »; fann hier jweny Zeugen aufführen, die zugegen waa sten, als das Geld bczahlt, und diese Quittung bier „geschrieben wurde." Die ersten Soelmen fahen fich hier von noch grófjeren überlistet, und der Kläger gea stand mit vielen Entschuldigungen, daß er einen fra thum begangen habe, majte aber, wie billig, die Kos ften tragen.

Zu Carlisle giengen citt Kärner und ein schlechtes Weibsbild eine Wette ein, wer am mehrsten trinten könnte. Der Kårner wollte ein Quartierchen Ale (ein Tehr geistiges Bier) für jedes Glas Brandtwein der Frau trinken, und wer am frühesten aufhören mtufte, rotite die Rechnung bezahlen. Scybe tranfen tupfer, bis der Wirth auf jeder Seite ein und dreißig Glåset ans gefchrieben hatte, worauf der Karner durch eitt bereds ter Stilichweigen und Einniken anerkannte, daß er så viel geladen habe, und nidt weiter fahren tönnte ; fonach erhieit seine fchöne Gegnerin der Sieg, obschon zu Anfange die zahlreiche Gesellschaft größtentheils ges gen sie gewettet hatte.

Neue fi upferstich ei The assault and taking of Seringapatam on the 4th. of May 1799 dedicated to his Majesty by A. Cardon and L. Schiavonetti, d. I. Angriff und Einnah

me der Vestung Seringapatam. Gemahlt von ». Singleton, und gestochen von A. Cardon, Preis: vice Guineen. No. 31. Clipstonestreet, Fizroniquare.

Fin Ganzen genommen, ein gutes Blatt, das vie! Wirkung thut, obschon Kenner sagen, daß sie ben eis nem solchen Segenftande mehr Figuren erwartet hatten, Man hat tadcin wollen, daß der Künftler aus seinem Kreise getreten ren, und die Einheit vernachläfiget has be, wober denn die Darstettung mehr einen Starmů, jel, als dem regelmäßigen Angriffe einer start befestigs ten Stadt, gleiche ; aber ein sicher Angriff konntę bey Seringapatam nicht Statt finden, mithin ist Singles ton eben so gut zu pertheidigen, wie Porter in seinen beyden groffen Gemåblden von Seringapatam und Acre. Es ist vortreflich in Crayonmanier gestochen. Der Conta trast unter den Scapons und europåischen Soldaten ist gut getroffen.

The body of Tippoo &c. Der Körper des Sula tan Tippuh Saheb von seiner Familie erfannt. Ges mahlt von Robert Kerr Portex, gestochen von Schias ponetti. Prcis : vier Suineen. Su baben an dem ebens gedachten Orte. Dies ist das Gegenstút zu dem voria gen. Die Erfindung verdient das größte Lob, und die Seichnung ist correct, Tippuhi Figur ist sehr intereffant, und die grosse Rührung der gebeugten Familie ift vortreflich und mannigfaltig ausgedrüft. Porters feurige Fantasie fpricht auch aus diesem senónon Blatte, welches unter den neuen Kupferstichen den ersten Rang perdient.

The Woodman and the Shepherd, O. i. det Wardbewohner und der Schäfer, das erste Biatt von 6, Drummond, und das zweyte von G. Morkand ges mahlt: beyde von W. Barnard geftochen; bcyde color

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